Compoundbogen

 

Der Begriff Compoundbogen (engl. compound „Verbund“) bezeichnet einen Bogen mit einem speziellen Konstruktionsprinzip und ist nicht zu verwechseln mit Kompositbogen, was sich auf das Material (Verbundstoff) bezieht. 

 

Der Compoundbogen

Diejenigen die in der FITA seit Jahren Recurve schießen, legen sehr viel Wert auf eine sehr gleichmäßige/ dynamische Kraftentwicklung, verbunden mit einer hohen Präzision.

Auf der Jagd sind jedoch ganz andere Anforderungen, neben der Präzision, an einen Bogen gestellt. Man begibt sich in ein Gelände, dass nicht immer eben und glatt ist. Hier schießt man bergab, bergauf, über Gewässer und im schwierigen Gelände. Hinzu kommen Faktoren, die ein FITA-Schütze nicht zu fürchten hat, nämlich unterschiedlich große Ziele auf unterschiedlichen und unbekannten Entfernungen.

             

         

 

Der Compoundschütze hat hier eine Vielzahl von Hilfsmitteln:

  • Auszugsreduzierung bis zu 65%, geringerer Kraftaufwand im Endauszug
  • Kurzer Bogen
  • Vergrößerungsglas im Visier ( Scope)
  • Wasserwaage (zum Ausrichten des Bogens)
  • Kimme (Peep-Sight) Feste
  • Auslöser ( Release)
  • Versetzte Pfeilauflage nach hinten in Richtung Sehne (Overdraw)      kürzere Pfeile verwendbar, gestrecktere Flugbahn
  • Extrem Reflexe Bogen (hohe Abschussgeschwindigkeit niedrige Standhöhe)

So wurden auch die Bögen und das Zubehör den Zwecken angepasst. Diese Anpassungen stellen sich in den oben aufgeführten Punkten dar. Ich möchte nun auf den nächsten Seiten die Unterschiede einzeln herausstellen.

Bogenlänge/Auszugslänge

Die Bogenlängen

Wie bereits erwähnt wurde der Compoundbogen für die Jagd entwickelt. Hier findet man nicht gerade die idealen Bedingungen wie auf einem FITA- Gelände vor. Um in der Lage zu sein im besonders steilen, unwegsamen und schwierigen Gelände schießen zu können, ohne einen Kontakt mit dem Gebüsch oder ähnlichen zu haben, muss der Bogen kurz und beweglich sein. Daher finden wir im Bereich Compoundbogen auch Bögen die (neuerdings) maximal 32 Zoll von Achse zur Achse messen. Verschiedene Firmen haben sich der Entwicklung angepasst und stellten mit der Öffnung der FITA für Compound, längere Bögen her. Selbst diese waren nur ca. 48 Zoll von Achse zur Achse lang.

Die Auszugslänge

Die Auszugslänge wird beim Compoundbogen durch die Rollen in Verbindung mit der Sehne und der Kabel begrenzt. Da sich die Sehne im Ruhezustand um die Rolle legt und nur soweit ausgezogen werden kann, bis die Kabel an der Innenrolle anliegen, ist der Auszug begrenzt. Je nach Rollenform ist das Ende des Auszuges besser oder schlechter spürbar, abhängig von der Rollenform. Die Hersteller bieten jedoch Verstellmöglichkeiten der Auszugslänge an den Rollen an. Die eine Möglichkeit ist es, die Sehne durch vorgegebenen Nuten unterschiedlich lang einzustellen. Die andere besteht darin, die Sehne durch Eindrehen zu kürzen (Kürzung der Auszugslänge), oder die Sehne aufzudrehen (Verlängerung der Auszugslänge).

Die Auszugslänge kann aber auch über die Kabel verändert werden. Da die Kabel auf der Rückseite der Rolle über eine Nut laufen, kann man diese separat verstellen. Durch Eindrehen der Kabel bewirkt man, dass sich die Kabel verkürzen und die Rolle nach von bewegt wird, wodurch sich die Sehne mehr um die äußere Rolle wickeln kann und somit sich der Auszug verlängert, da sich Kabel und Sehne erst später am Entauszug befinden. Die Hersteller empfehlen jedoch, die Auszugslänge über die Kabel nur bis maximal 1 Zoll zu verändern, da durch das Eindrehen der Kabel die Rolle in eine Position gebracht wird, die der Hersteller so nicht vorgesehen hat.

Wenn weder durch Umhängen der Sehne noch, durch Ein- oder Aufdrehen der Kabel die gewünschte Auszugslänge erreicht wird, so muss man einen Bogen auswählen der die gewünscht Auszugslänge abdeckt, oder man wählt einen anderen Rollendurchmesser. Andere Rollen verändern die Auszugslänge nur durch ihren Durchmesser. Kleine Rollen verkürzen den Auszug, große Rollen verlängern den Auszug, Dies ist auch automatisch mit anderen Kabeln und einer neuen Sehne verbunden. Rollen, Kabel und Sehne bilden immer eine Einheit.

Zuggewicht / Zugverhalten

Einstellung des Zuggewichtes

Wie am Recurvebogen haben auch Compoundbogen eine Verstelleinrichtung zum Erhöhen und Verringern der Auszugskraft. Diese befindet sich an den Wurfarmtaschen und ist meist die Schraube die den Wurfarm an das Mittelteil befestigt. Natürlich haben die Wurfarme eine Grundwurfleistung die sich aus der Fertigung ergeben. Bei den meisten Compoundbogen lässt sich die Auszugskraft um ca. 10 lbs erhöhen oder verringern, Beispiel: Zuggewicht von 40-5O lbs (Herstellerangabe).

Das Zuggewicht kann aber auch auf andere Art beeinflusst werden. Indem man die Sehne eindreht verringert sich das Zuggewicht, da ich den Bogen gewissermaßen schon "vorspanne". Durch Aufdrehen der Sehne erhöht sich das Zuggewicht, da sich die Sehne mehr um die Rolle legen kann und die Wurfarme sich weiter nach vorn bewegen und somit ihre Vorspannung erhöhen.

Merke:

Eindrehen der Sehne verringert das Zuggewicht und verkürzt die Auszugslänge. Aufdrehen der Sehne verlängert den Auszug und erhöht das Auszugsgewicht des Bogens. Wie durch die Sehne kann man auch durch die Kabel das Zuggewicht verändern. Wenn man die Kabel eindreht verlängert sich der Auszug, da die Rolle weiter nach vorn gestellt wird und die Sehne sich weiter um die Rolle legen muss. Das Zuggewicht erhöht sich. Durch Aufdrehen der Kabel verkürzt sich der Auszug, da sich die Rolle nach hinten dreht und die Sehne weniger um die Rolle legt, der Bogen wird also auch vorgespannt. Das Zuggewicht verringert sich.

Merke:

Verlängerung der Kabel bewirkt eine Verringerung des Zuggewichtes und Verkürzung der Auszugslänge. Das Eindrehen der Kabel führt zur Verlängerung des Auszugs und zur Erhöhung des Zuggewichts des Bogens.

Zugkraftverhalten des Compoundbogens

Wir wissen aus dem Recurvebereich, dass beim Ausziehen des Bogens sich die Zugkraft kontinuierlich erhöht bis zum Erreichen der Auszugslänge. Dies verhält sich beim Compoundbogen so nicht. Hier haben wir über die Vorspannung der Rollen bereits eine größere Zugkraft am Anfang zu überwinden. Wenn man an der Sehne zieht bewegen sich die vorgespannten Rollen nach hinten. Dadurch das die Rollen nicht mittig gebohrt und gelagert sind, kommt es zu einem ,,Kipppunkt wo sich die Rollen hebelverlängert nach hinten drehen. Dieser Kipppunkt ist der Punkt wo der Compoundbogen seine Maximalkraft (Peak-Weight) erreicht hat und der Bogen sich immer leichter ausziehen lässt. Der Auszug endet dann an dem Punkt, wo sich der Bogen mit der geringsten Kraft halten lässt, dem Tal Wenn nun über diesen Punkt hinaus an der Sehne weiter gezogen wird erhöht sich die Zugkraft wieder, da die Rollen in eine Position gebracht werden für die sie nicht gefertigt worden sind und die Sehne, über die Rollen, die Wurfarme belastet.

Zugkraft Round-Wheel

                       

Standhöhe

Wenn man sich einen Weg von der Standhöhe bis zum Tal vorstellt (siehe oben) so ist festzustellen, dass am Anfang eine Zuggewichtserhöhung festzustellen ist und danach die aufzubringende Kraft deutlich weniger wird. Dies hängt mit der Konstruktion der Rollen zusammen. In dem oben dargestellten Schema soll eine runde Rolle dargestellt sein. In dem Schema unten möchte ich gerne die Verhältnisse an einem Cam darstellen.

Zuggewicht

Wie man deutlich sehen kann ist bei einer runden Rolle (Round-Wheel) der Weg des Tales viel größer und der Weg des Peak-Weight viel kürzer als beim „Cam“. Das bedeutet für das Zuggewicht, dass sich ein Round-Wheel dynamischer und gleichmäßiger ziehen lässt als ein Cam. Da heutzutage die Rollen so konstruiert sind, dass Tal und Stop im Bogen ein und den selben Punkt markieren, unterscheiden sich Cam und Round-Wheel nur im Auszugsverhalten (gefühlsmäßig). Es gibt noch einiges mehr indem sich Round, - Energie- und Cam unterscheiden, darauf möchte ich jedoch später eingehen.

Merke: Cam hat ein langen Weg im Peak-Weight und nur ein kurzes Tal. Round-Wheels haben einen kurzen Weg im Peak-Weight und ein langes Tal. Bögen mit einem Cam lassen sich nicht so dynamisch ziehen wie Bögen mit Round - oder Energie Wheels.

Kabel & Rollen

Bedeutung von Kabel und Rollen

Beim Compoundbogen werden beide Wurfarme durch je eine Rolle und durch Kabel und Sehne verbunden. Jede Rolle hat zwei umlaufende Nuten. Eine dient zur Aufnahme und Führung der Sehne, die andere dient zur Aufnahme und Führung der Kabel. Die Kabel dienen der Vorspannung der Wurfarme und ziehen die Rollen im Ruhezustand nach vorn. Die Sehne dient der Aufnahme von Peep-Sight, Nockpunkt und zum Spannen des Bogens, die Sehne zieht die Rollen im Ruhezustand nach hinten.

Wenn die Sehne gezogen wird, rollt die Sehne von der Rolle ab, im gleichen Moment wickelt sich das Kabel um die Innenseite der Rolle und kommt unter eine größere Spannung. Hierbei erhöht sich die Bogenspannung die durch die Rollen erzeugt wird.

Beim Lösen rollt sich die Sehne wieder um die Außenrolle und gleichzeitig rollt das Kabel von der Innenrolle bis zum vorgegebenen Anschlag (flache Seite der Rolle).

Wenn eins der beiden Systeme auf einem Wettkampf reißt, so entspannt sich der komplette Bogen, da dass Haltemoment des "Gegenläufers" fehlt.

Pfeilflug

Verhalten des Pfeilfluges beim Compoundbogen:

Der Compoundbogen wird in den meisten Fällen durch ein Release gelöst. Da der enge Sehnenwinkel, im ausgezogenen Zustand, ein Eingreifen der Finger in die Sehne nicht sauber gewährleistet. Hierbei gibt es verschiede Arten (mehr als 60 Stück). Die Masse der Release arbeitet jedoch mit einem Faden der um die Sehne, unter den Pfeil, gelegt wird. Dieser Faden wird dann am Release eingehakt. Um den Pfeil zu lösen wird ein Auslöser betätigt. Dieser löst dann den Faden der sich von der Sehne löst und die Sehne freigibt. Hierbei entstehen keine Seiten-Amplitude wie bei Recurvebogen. Durch die Massenträgheit des Pfeils und dem leichten Gewicht der Sehne, im Verhältnis zum Pfeil, wird dieser vertikal gebogen. Der Pfeil wird also nur vertikal in Schwingungen versetzt die es notwendig machen, eine Pfeilauflage zu benutzen, die vertikal beweglich ist. Somit ist auch die Benutzung eines Button nicht notwendig und findet im Compoundschießen meist keinen Einsatz.

Mittlerweile wurden auch Klapppfeilauflagen entwickelt, die durch einen Faden mit den Kabeln verbunden sind. Dieser wird durch die Kabelbewegung nach hinten gezogen und hebt den Finger der Pfeilauflage an. Beim Lösen gehen die Kabel wieder nach vorn und der Faden wird entspannt, der Finger der Pfeilauflage fällt unter dem Pfeil weg. Die Justierung dieser Pfeilauflagen ist nur für den geübten Schützen verwendbar, da sie einige Kenntnisse über den Compoundbogen voraussetzt (optimaler Lösepunkt von Pfeil-Sehne).

Da es aber auch Schützen gibt, die einen Compoundbogen mit den Finger ziehen und lösen, soll auch dieses Thema Erwähnung finden. Wie auch beim Recurvebogen entstehen seitliche Schwingungen der Sehne beim Schießen mit den Fingern. Diese entstehen beim Abrollen der Sehne über die Finger im Abschuss. Diese müssen, ähnlich wie beim Recurvebogen, eine seitliche Führung erhalten. Auch hier hat man kombinierte Pfeilauflagen gebaut die den Pfeil sowohl horizontal, wie auch vertikal führen.

Merke: Button ist beim Compoundbogen nur notwendig, wenn mit Fingern gelöst wird, ansonsten wird eine Pfeilauflage verwandt, die den Pfeil nur vertikal führt.

Warum ein Compoundbogen keinen Klicker benötigt

Warum der Compoundbogen keinen Klicker benötigt

Wie wir bereits gelernt haben, ist der Auszug beim Compoundbogen durch die Form der Rollen, Länge der Sehne und Länge der Kabel weitgehend fest vorgegeben. Wenn man einen Compoundbogen spannt, so erreicht dieser sein niedrigstes Auszuggewicht im Tal. Die meisten Rollenhersteller haben ihre Rollen heutzutage so konstruiert, dass diese einen fühlbaren Anschlag im Tal haben. Somit soll gewährleistet werden, dass man den Bogen immer von der selben Stelle löst. Ähnlich wie beim Recurvebogen verändert sich nämlich das Trefferbild wenn man von unterschiedlichen Punkten aus löst. Nur muss man sich immer vor Augen halten, dass der Compoundbogen eine andere Zugkraftentwicklung aufweist wie der Recurvebogen. Wenn man den Recurvebogen nach dem Klicker weiter nach hinten zieht erhöht sich die Auszugskraft und der Pfeil fliegt höher. Verkürzt man die Auszugslänge und löst bevor der Klicker einsetzt, so hat der Bogen eine geringere Wurfleistung und der Pfeil fliegt tief.

Der Compoundbogen reagiert jedoch ein wenig anders. Wie wir aus dem Kraftverlaufsdiagramm sehen konnten, erreicht der Compoundbogen erst im Tal das niedrigste Zuggewicht, er beschleunigt also den Pfeil vom Langsamen zum Schnellen. Vom schwersten Punkt im Bogen (Peak-Weight) bis zum Tal verringert sich die Auszugskraft kontinuierlich. Wenn man den Pfeil vor dem Erreichen des Tals löst wird also der Pfeil mit einer höheren Wurfleistung als wie vom Tal her gelöst, der Pfeil geht hoch. Wenn der Pfeil nach dem Tal gelöst wird, also von der sogenannten Wand, entsteht auch wieder eine Krafterhöhung, jedoch führt diese dazu, dass sie zum Beispiel von 32 lbs an der Wand, runter ins Tal fällt z.B. 16 lbs und dann erst richtig beschleunigt wird. Hierbei verändert sich auch das Tal und wird meist weicher (noch niedrigere Leistung). Dieses Beschleunigen vom hohen ins leichte und wieder ins hohe Auszugsgewicht verursacht, dass der Pfeil tief geht, da die gewollte dynamische Beschleunigung/Kraftentwicklung nicht mehr gegeben ist.

Normalerweise sollte es heutzutage kein Problem mehr sein, dass Tal im Compoundbogen zu fühlen, da wie bereits erwähnt die meisten Bogenhersteller die Rollen so konstruieren, dass das Tal und der Stop ein und der gleiche Punkt sind. Bei älteren Modellen findet man manchmal noch Rollen vor, die keinen fühlbaren Anschlag besitzen. Hier ist es ratsam die Kabel, die sich beim Ziehen gegenläufig bewegen (ein Kabel wandert nach unten, das andere nach oben ) im Endauszug zu markieren. Diese Markierung wird im Endauszug quer über die Kabel mit einem Stift gemacht. Die Markierung sollte in Augenhöhe liegen, so dass der Schütze die Markierung aus dem Blickwinkel gut sehen kann (weißer Strich auf schwarze Kabel). Wenn beide Striche auf einer Höhe stehen, ist der Auszug perfekt. Von hier kann der Schütze nun sicher sein, dass er immer vom gleichen Punkt aus löst.

Mittlerweile laufen auch schon Versuche, einen Compoundbogen mit Klicker zu schießen, da das Phänomen der Goldangst auch hier seinen Einzug hält. Dies wäre jedoch nur mit Rollen der alten Bauart möglich, die keinen fühlbaren Stopp haben. Ein Round-Wheel, welches über ein Tal von ca.2-4cm verfügt wäre hierfür ideal. Energie-Wheel oder Cam's wären hierfür ungeeignet, da sie meist über einen Stopp verfügen, der einen Klickerzug verhindert. Warten wir die Entwicklung ab.

Tiller beim Compoundbogen

Der Tiller beim Compoundbogen

Aus dem Recurvebereich bekannt, gibt es natürlich auch beim Compoundbogen einen Tiller. Dieser Tiller ist jedoch geringerer, da die Hebelkräfte vom Eingreifen der Hand ins Mittelstück, auf einen kürzeren Bogen wirken. Des weiteren sind Compoundbogen auch durch ihre hohe Vorspannung stabiler. Da man beim Compoundbogen genauso wenig in die Energiemitte fasst wie beim Recurve, bleibt es also nicht aus diese asymmetrischen Verhältnisse auszugleichen.

Es empfiehlt sich jedoch den Tiller wie folgt einzustellen. Vom Hersteller vorgegebene Tillerwerte einstellen. Nun den komplett aufgerüsteten Bogen gleichmäßig ausziehen lassen (Ellenbogen muss horizontal gerade ziehen und Bogenarm darf sich nicht bewegen). Bei einem gleichmäßigen Auszug sollte das Ende des Monostabi nicht mehr als ca. 1-2 Zoll nach oben wandern. Sollte der Monostabi mehr ausschlagen, so muss der Tiller dementsprechend verändert werden. Ausschlagen nach oben = Abstand unten am Wurfarm verringern, Ausschlagen nach unten = Abstand am unteren Wurfarm erhöhen.

Merke: Der Tiller muss vom Schützen ausgeschossen werden und' ist sehr individuell zu betrachten. Ein Verallgemeinern sollte unterbleiben!

Rollen & Beschaffenheit

Rollen und ihre Beschaffenheit

Wie bereits erwähnt gibt es verschiedene Rollen mit verschiedenen Eigenschaften. Grundsätzlich unterscheidet man in drei Typen:

  • Round Wheel
  • Energie-Wheel
  • Cam-Wheel

Das Round-Wheel ist daran zu erkennen, dass sich die umlaufende Nut in der das Kabel läuft rund ist. Das gleiche trifft auch für die Nut der Sehne zu. Charakteristisch ist der sehr weiche und dynamische Auszug, dadurch bedingt, dass sich beim Kipppunkt die Rolle nicht soweit ausstellt. Das Round-Wheel ist dafür aber auch im Abschuss am langsamsten, da die Beschleunigung lediglich aus der außermittigen Bohrung der Rolle resultiert. Das Let off beträgt ca. 50 %, die Abschussgeschwindigkeit beträgt ca. 245 Feet per Secunde (alle Angaben gemäß Hersteller). Der weiche dynamische Auszug stellt sich natürlich auch beim Lösen dar. Hier ist der Bogen mit einem Round-Wheel viel ruhiger und weicher im Abschussverhalten.

Das Energie-Wheel wird dadurch gekennzeichnet, dass die Nut für die Kabel immer noch rund sind, aber sich der ?Kreis nicht in der Mitte der Rolle befindet, sondern außerhalb der Mitte versetzt (weiteres Ausstellen der Rolle im Kipppunkt). Das Energie-Wheel lässt sich zwar auch noch weich ausziehen, ist aber deutlich weniger dynamisch im Auszug. Das Energie-Wheel besitzt auch eine höhere Abschussgeschwindigkeit, die durch das außermittige Anbringen der Kabelnut resultiert, dadurch werden die Kabel nochmals stärker beschleunigt und die Schussgeschwindigkeit erhöht sich. Der Let off erhöht sich dadurch auch. Die Abschussgeschwindigkeit beträgt 268 FPS und der Let off ca. 60%. Das Abschussverhalten ist zwar noch akzeptabel aber nicht mehr so weich wie beim Round-Wheel.

Das Cam Wheel ist dadurch zu erkennen, dass sich die Kabelnut in einer Ellipse darstellt (Cam = Nockenform) . Durch diese Ellipsenform wird der Auszug wesentlich härter und undynamischer (extremes Ausstellen der Rolle beim Erreichen des Kipppunktes). Das Tal ist meist direkt der Punkt des Endauszug. Das Cam beschleunigt die Kabel noch mehr durch die außermittig vorhandene Ellipse und hat ein deutlich höheren Let off als das Round- und Energie-Wheel. Das Abschussverhalten ist sehr schnell und empfiehlt sich nur für Schützen die den Schießstil perfekt beherrschen. Die Abschussgeschwindigkeit beträgt bis zu 360 FPS und der Let off beträgt ca. 65 %. Das Abschussverhalten ist viel kritischer zu betrachten, und gibt dem Schützen im Vergleich zu den anderen Rollen, ein Gefühl des harten Beschleunigens.

Abschussgeschwindigkeiten

Wodurch ergeben sich nun die verschiedenen Abschussgeschwindigkeiten?

Wenn man davon ausgeht, dass wir immer einen gleichen Weg haben, z.B. 28 Zoll Auszug, so finden bei den verschiedenen Rollen unterschiedliche Kraftmomente statt.

Grundsätzlich kann man sich merken, dass ein Round-Wheel ein Talbereich von bis zu zwei Zoll hat, dafür aber nur einen Bereich von ca.1 Zoll im Peak-Weight aufweist ( siehe Diagramm auf Seite 5). Daraus ergibt sich, dass die Kraftabgabe sehr kurz ist aber der Bereich im Tal sehr groß.

Das bietet den Vorteil für Anfänger, dass diese im Endauszug noch nicht so gefestigt sein müssen, um aus der gleich Kraft lösen zu können. Das Tal ist nämlich über den gesamten Bereich gleich stark.

Das Energie-Wheel hat ein kleineres Tal dafür aber einen größeren Bereich im Peak-Weight. Dadurch wird der Pfeil auch länger beschleunigt und hat eine höhere Abschussgeschwindigkeit. Das Tal verkürzt sich um die Verlängerung des Weges im Peak-Weightbereich, da der Weg noch immer 28 Zoll beträgt (Gesamt). Diese Rolle ist schon etwas für den Wettkampfschützen, da es die Vorteile des Round-Wheel (weicher, dynamischer Auszug) mit den Vorteilen des Cam verbindet ( höhere Abschussgeschwindigkeit und guter Stop im Tal). Diese Form der Rolle wird hauptsächlich im Bereich FITA Compound geschossen. Das Cam verkürzt den Weg im Tal sehr extrem und dadurch verlängert sich der Weg im Peak-Weight. Die Kraftabgabe an den Pfeil dauert wesentlich länger und die Beschleunigung ist viel härter durch die Ellipsenform der Rolle. Der Stop im Tal ist sehr hart und erlaubt aufgrund des kurzen Weges kein wandern nach vorn, da der Schütze dann förmlich nach vorne gezogen wird. Diese Art der Rollen werden bevorzugt im Feldbogen - und Jagdbogenbereich geschossen. Durch die sehr gestreckte Flugbahn hat der Schütze wesentliche Vorteile bei der unbekannten Runde. Ein Verschätzen der Entfernung wirkt sich hier nicht so deutlich aus wie z.B. bei einem Round-Wheel. Es ist jedoch sehr schwierig diese aggressiven Rollen im Abschuss zu beherrschen.

Man sollte wissen, dass alle führenden Hersteller die drei verschiedenen Rollenarten anbieten. Es gibt sogar Hersteller die viel mehr verschiedene Typen anbieten, dabei handelt es sich jedoch nur um Abwandlungen der oben aufgeführten Rollen.

Es sollte für den Schützen und Trainer wichtig sein, dass er für den Leistungsstand den richtigen Bogen und Rollen aussucht.

Einstellung eines neuen Bogen/Schützen

Einstellung eines neuen Bogens/Schützen

  • Feststellung ob Rechts- oder Linkshänder Release und anpassen
  • Auszugslänge mit einem sehr leichten Recurvebogen ermitteln, unter      Verwendung des Release, Compoundbogen auf dieses Maß einstellen
  • Auszugsgewicht ermitteln, der Schütze muss den Compoundbogen gerade      und gleichmassig ausziehen können. Verrenkungen die zum ausziehen nötig      sind, sind eindeutig ein Zeichen von zu hohen Auszugsgewicht.
  • Höhe für Peep-Sight ermitteln. Schütze zieht Bogen mit geschlossenen      Augen aus. Wenn der Anker fest ist und der Schütze ein gutes Gefühl hat      öffnet er die Augen, dass Peep-Sight muss nun in direkter Linie zum Auge      stehen. Bewegt der Schütze den Kopf in der Höhe, um durch das Peep-Sight      sehen zu können, muss das Peep-Sight dementsprechend eingerichtet werden.      Diesen Vorgang sooft wiederholen, bis das Peep-Sight in der richtigen      Augenhöhe steht. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Schütze ohne      Ermüdung der Augen und Nackenmuskeln den Wettkampf besteht.
  • Nockpunkt und Pfeilauflage gemäß Hersteller einstellen, Pfeil gemäß      Tabelle nach Auszugslänge und Zuggewicht ermitteln.
  • Bogen auf Synchronisation überprüfen (Gleichlauf der oberen zur      unteren Rolle) Wasserwaage am Visier einrichten (Visier an geraden      Türrahmen anlehnen und in Waage bringen) Bogen durch Papierwand      ausschießen.
  • Seitliche Risse können geringfügig durch seitliches Einstellen der      Pfeil-Auflage korrigiert werden, ansonsten den Spinewert des Pfeils      ändern.
  • Höhenrisse können durch Erhöhung/Verringerung der Federkraft der      Pfeilauflage korrigiert werden, oder durch Verstellen der Nockpunkthöhe
  • Wenn der Bogen eingestellt ist, Daten notieren und ggf. von Zeit zur      Zeit überprüfen.

Merke: Bogentunen ist nur mit Schützen möglich, die den Schießstil beherrschen.

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